Wege ins Bild

Kindermalwerkstatt Kind & Kunst
Projekt: Wege ins Bild
Mehr Informationen: www.kindermalwerkstatt.de

Idee

Auf der Suche nach spannenden Geschichten erkunden die Schüler*innen Karlsruher Museen: Welche Ungeheuer lauern im Wald von Max Ernst? Wer wurde unterm Eiffelturm von Robert Delaunay ermordet? Ob der Araber in Jean Dubuffets Wüste wohl Wasser findet? Mit Hilfe von Fotoaufgaben, kreativem Schreiben sowie spontanen Rollenspielen erkunden die Schüler*innen das Museum, lernen unterschiedliche Kunstwerke kennen und träumen sich in die fremden Bildwelten hinein. Zurück in der Schule werden aus den Fotos und Texten die Ideen zu Trickfilmen verdichtet. Dazu werden Charaktere erfunden und am Storyboard die Handlung visualisiert. Anschließend werden aus den unterschiedlichsten Materialien Kulissen und Figuren gebaut. Im letzten Arbeitsschritt werden mit vielen Einzelaufnahmen nun Trickfilme erstellt, die dann geschnitten und vertont werden.

Arbeitsschritte

  • Museumserkundungen: Erste Schritte in der Fotografie am iPad
  • Kreatives Schreiben: Brainstorming und Plot-Entwicklung anhand von Schreibspielen
  • Spontanes Rollenspiel: Verwandlung der Schüler*innen in Darsteller*innen
  • Arbeit am Storyboard: Konkretisieren der Handlungsstränge
  • Künstlerisches Gestalten: Entwickeln und Gestalten von Figuren und “Drehorten“ in Collagetechnik
  • Stop-Motion: Aufnahme der Einzelszenen mithilfe eines Trickfilmprogramms
  • Fertigstellung im Schnittprogramm: Schneiden, Vertonen und Betiteln des Rohmaterials
  • Präsentation der Filme

Kompetenzen

  • Kreativer Umgang mit Fotografie und Film mittels iPad und Computer
  • Niederschwelliger Zugang zu Kunstwerken im Museum
  • Angstfreie Weiterentwicklung sprachlicher Möglichkeiten durch kreatives Schreiben
  • Entwickeln künstlerischer Ausdrucksfähigkeit und Fantasie
  • Übung im Umgang mit handwerklichen, klassischen künstlerischen und digital gestützten Gestaltungsmitteln
  • Förderung des Selbstbewusstseins durch Präsentation der Ergebnisse

Zielsetzung

Das Projekt schafft einen ungewöhnlichen Zugang zur Welt des Museums. Spielerische Erkundungen, Perspektivenwechsel eröffnen neue Zugänge zu den präsentierten Kunstwerken. Über das kreative Schreiben tauchen die Schüler*innen in fantastischen Welten hinter den Bildern. Bei der Produktion von Trickfilmen werden die Schüler*innen von Konsumenten zu Produzenten. Die Verbindung unterschiedlicher Medien begünstigt so
erlebnisintensives und nachhaltiges Lernen in verschiedenen Vermittlungsbereichen (Sprache, Kunst, Medienbildung).

Zielgruppe

Das Angebot richtet sich an überwiegend bildungsferne Kinder im Alter von 8-11 Jahren aus der Karlsruher Südstadt. Der erste Teil des Projekts findet als AG in der Nebenius-Grundschule statt, mit der die Kindermalwerkstatt in der Vergangenheit schon mehrere erfolgreiche Projekte durchgeführt hat. Der zweite Teil des Projektes findet als
Ferienangebot im Schülerhort Kinderinsel Süd statt, mit dem die Kindermalwerkstatt auch schon mehrfach zusammengearbeitet hat. (siehe auch www.kindermalwerkstatt.de).

Projektbericht

Teil 1 in der Nebenius-Grundschule:

Das als AG für ein ganzes Jahr angelegte Projekt konnte leider nur bis zu den Weihnachtsferien in Präsenz in der Nebenius-Schule stattfinden, da danach die Schulen wegen der Corona-Beschräkungen geschlossen waren und bis zu den Sommerferien keine AGs mehr in der Nebenius-Grundschule angeboten werden durften. So endete das Projekt zwangsweise nach einer ausführlichen Heranführung an den Trickfilm.

Bei den ersten Terminen in der Schule lernten die Kinder die iPads kennen und drehten einfache kleine Filme. So gestalteten sie ihre Namen und ließen diese als Übung im Film durch das Bild fliegen. Dabei wurde das Stop-Motion-Verfahren anschaulich dargestellt und sie konnten die Auswirkungen von kleinen und großen Bewegungen im Film beobachten.

In verschiedenen Aufgabenstellungen wurden nun die Möglichkeiten des Trickfilm-Programmes vorgestellt und ausprobiert.

So gestalteten die Kinder Filme aus sich aufbauenden Hintergründen, indem sie die Kulisse Stück für Stück malten und dabei kontinuierlich Fotos aufnahmen. Hierbei lernten sie die Notwendigkeit des sorgfältigen Arbeitens im Trickfilm kennen, aber auch den spannenden Erfolg, wenn sich die Zeichnung nach und nach in einen Film verwandelt.

Zum Thema Herbst sammelten sie Blätter im Schulhof, die dann in ihrem Trickfilm von den Bäumen fallen durften. Dabei wurde eine neue Technik eingeübt, das Rückwärtslaufen von Filmsequenzen. Die Kombination aus Zeichnung und Naturmaterial war reizvoll für die Kinder und machte die Filmarbeit interessant. Über Gedichte wurden die Kinder nun an Handlungen herangeführt, zu denen sie sich eine Umsetzung als Trickfilm überlegten. Aus diesen Ideen entwarfen sie ihre Hintergründe und Figuren, malten und bastelten diese Reqisiten und schufen ihre ganz eigene Gedichtverfilmung. Das Gedicht sprachen sie als Text für den Film ein, was durchaus eine sprachliche Herausforderung darstellte, die sie aber mit Ausdauer meisterten. So erwarben sie weitere Kompetenzen im Trickfilmen.

Nun entwarfen die Kinder erste eigene Filmhandlungen, ersannen sich eine Geschichte und machten sich mit viel Freude und Ideenreichtum an das Herstellen der Figuren und Requisiten. Das Verfilmen des eigenen Filmstoffes begeistertete sie besonders, im Lauf des Drehs entspannen sich neue Ideen, die noch eingebaut wurden. Auch die Texte der Filmfiguren wurden von der Gruppe mit Hingabe ersonnen und eingesprochen.

Die besonderen Interessen bei den Schüler*innen waren ganz unterschiedlich. Einige Kinder hatten viel Spaß am Malen und Gestalten der Filmfiguren, andere testeten ausdauernd Toneffekte für ihre Filme und einige wiederum beschäftigten sich interessiert mit dem Aneinanderfügen von Filmsequenzen.

Leider konnte das Projekt nicht wie geplant nach den Weihnachtsferien in die nächste Phase gehen, so dass Museumsbesuche und die Entwicklung eines Filmes aus einem Bild heraus nicht mehr umgesetzt werden konnte. Aber während der Zeit der Schulschließung bekamen die AG-Kinder wöchentlich per Mail eine tolle neue Anregung oder eine Idee zu einer kleinen Kunstaktion zugeschickt, die zuhause ohne großen Aufwand, dafür mit sehr viel Spaß umgesetzt werden konnte.

Teil 2 in der Kinderinsel Süd:

Im zweiten Teil des Projekts „Wege ins Bild“ wurde mit den Teilnehmer*innen des Schülerhorts Kinderinsel Süd in Karlsruhe ein selbst erdachter, selbst inszenierter und selbst gefertigter Trickfilm geschaffen, der eine Traumreise in Phantasiewelten zum Thema hat.

An einem Kennenlerntermin erprobten Teilnehmer*innen die iPads, die als technische Ausrüstung zum Filmen dienten. Die Kinder drehten einen ersten kleinen Trickfilm und erprobten dabei spielerisch das Trickfilmprogramm. Der Zugang zu diesen elektronischen Geräten weckte sofort ihr Interesse. Anschließend fotografierten sie sich gegenseitig mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken. Die Fotos waren schon Material für den Film, damit je nach Stimmung der Figuren ihre Köpfe eine anderen Mimik zeigen konnten.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen war ein Besuch der Gruppe im Museum leider nicht machbar, statt dessen gab es eine virtuelle Werkschau mit Kunstwerken von Lyonel Feininger. Dessen Arbeiten beeindruckten die Kinder und inspirierten sie schon zu ersten Ideen für den Film. Solchermaßen angeregt stellten die Kinder eigene Werke in der Frottage-Druck-Technik her, die später als Hintergründe und Kulissen für ihren Film dienten.

Im gemeinsamen Brainstorming wurden nun die Ideen gesammelt, hier ließen die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf und zeigten sich sehr einfallsreich. In einem gemeinsamen Prozess entwickelte sich aus den gesammelten Ideen die Filmhandlung. Um viele unterschiedliche Ideen im Film zu vereinen, wurden separate Filmhandlungen in Kleingruppen ausgearbeitet, die dann in einer übergreifenden Handlungsebene eingebettet wurden. Auch die im Film enthaltenen Rollen wurden verteilt und die Kinder erhielten ihre unterschiedlichen Charaktere. Über ein Storyboard wurde die Handlung konkretisiert und die einzelnen Szenen des Filmes besprochen.

Nun ging es an die Gestaltungsarbeit. Die Kinder entwarfen mit viel Kreativität ihre Filmfiguren, die ihre eigenen Gesichter aus den vorher aufgenommen Fotos bekamen. Passend zur Rolle wurde das Outfit gestaltet – z.B. gleiche Trikots für die Fussballspieler und prachtvolle Kleider für die Stars. Auch stellten sie die benötigten Requisiten her. Hier wurde mit unterschiedlichen Materialien wie Stoffen, Pappe, Papier, Wolle, Perlen etc. gearbeitet, es wurde gezeichnet, geschnitten, geklebt, genäht, umwickelt…

Nachdem diese Vorarbeit geleistet war, begannen die Dreharbeiten. Als erstes entstanden die gezeichneten Hintergründe als Filmsequenzen. Hier arbeiteten die Kinder wiederum in Kleingruppen
und die Herausforderung neben dem Zeichnen war das sorgfältige und kontinuierliche Filmen der Einzelaufnahmen. Mit viel Spaß und großem Detailreichtum entstanden wunderschöne Räume und vollbesetzte Fussballstadien auf dem Papier, in denen sich die Geschichten jetzt entfalteten. Gespannt beobachteten die Schüler*innen, wie aus ihren wachsenden Zeichnungen die ersten Szenen entstanden. Auch lernten die Kinder die Greenscreen-Technik kennen, so dass die Figuren Abenteuer in ihren eigenen, von Feiniger inspirierten Bildern erleben konnten.

Das Filmen der verschiedenen Szenen erfolgte in den unterschiedlichen Kulissen im Stop-Motion-Verfahren. Dabei mussten die Kinder sich immer wieder absprechen, damit die benötigten Figuren und Requisiten zur Verfügung standen und sämtliche im Storyboard enthaltenen Szenen abgedreht wurden. Die Kinder hatten großen Spaß an ihren Rollen und identifizierten sich mit ihren Filmfiguren. Im Lauf des Projektes gewannen die Kinder große Sicherheit im Umgang mit den iPads, allerdings fiel es auch manchen Kindern schwer, das akurate Arbeiten beim Trickfilm-Dreh durchzuhalten. Nach diesem großen Arbeitsschritt ging es an die Fertigstellung des Filmes. Im Schnittprogramm wurden die einzelnen Szenen angepasst, zusammengefügt und der Film vertont. Hierzu mussten auch noch die Texte entwickelt und dann eingesprochen werden. Dabei zeigten sich die Kinder wieder sehr kreativ. Alle gaben sich große Mühe und waren mit
Eifer dabei. Die Auswahl der Toneffekte hat die Schüler*innen dabei besonders begeistert.

Aufgrund gehäufter Corona-Fälle im Schülerhort wurde der Hort am letzten Ferientag leider geschlossen, so dass der Trailer für den fertigen Film ohne die Kinder gestaltet werden musste.
Aber an einem Abschlusstermin nach den Ferien präsentierten die jungen Filmschaffenden das fertige Ergebnis den Kindern des Schülerhorts und bekamen viel Bewunderung dafür. Schnell
tauchte die Frage auf, wann wir den nächsten Film drehen können! Für die Kinder war es eine große Herausfordeung und eine tolle Leistung, den kompletten Film von der ersten Idee bis
zum fertigen Schnitt zu erstellen. Die Meisterung dieser Aufgabe hat sie sehr bestärkt und ihnen neue Wege der Entfaltung aufgezeigt.

Leitung

Almut Lembke (Dozentin an der Kindermalwerkstatt und der MuKS Bruchsal)