LOOM-LOOP – 100 Tage Gewebe

LOOM-LOOP Kollektiv: EMA, NOA, VALENTINE, MAIKE
LOOM-LOOP – 100 Tage Gewebe

Weiterführende Informationen:
→ LOOM-LOOP Kollektiv (loom-loop.de)
→ Materialspender: Atlantis KV in Bosnien und Herzegowina (www.atlantis-kv.org)

Mit dem LOOM-LOOP 100 Tage auf der documenta15

Der LOOM-LOOP als eine interaktive Installation beschreibt einen Web-Rahmen, der zum aktiven gemeinsamen Schaffen einlädt. Das Projekt fand 100 Tage lang während der documenta fifteen in Kassel im Sommer 2022 statt. Viele unterschiedliche Menschen erschufen ein kollektives Kunstwerk, das sich in einem 20 Meter langen Textil-Stück manifestierte.

Der extra dafür konzipierte LOOM-LOOP ist ein robuster Web-Rahmen mit vertikaler Arbeitsfläche und war in einem öffentlichen Raum des „ZukunftsDorf22“ aufgestellt, einer selbst-organisierten Plattform experimenteller Zukunftsforschung, das auch Teil des Kassler „Ecosystem“ der documenta15 war. Die Künstlerin und ihr Team (Kollektiv) bespielte mit dem LOOM-LOOP einen „geodätischen Kuppelbau“, eine Raum-Struktur, die vor Ort aufgebaut war und die durch ihre halb kugelrunde Form eine besondere Aufenthaltsatmosphäre schuf. Dieser runde Raum wurde vom LOOM-LOOP zum Ort der Begegnung und des aktiven Tuns. Material, das die Künstlerin ausgewählt und mitgebracht hatte, wurde kontextualisiert und eingewebt. Ein großer Teil des Materials stammte aus einer ehemaligen Textilfabrik aus Bosnien und Herzegowina mit dem heutigen Ortsnamen „Atlantis KV“. Ein anderer Teil waren Funde und Mitbringsel aus temporär bewohnten Orten von Menschen auf der Flucht an der EU-Außengrenze in Bosnien und Herzegowina. Die Wertigkeit und Geschichte der Materialien wurde hier recycelt und transformiert, in neue Abfolgen angeordnet und miteinander und gemeinsam verwebt. Das Material bot hier einerseits einen Wissenserwerb, Wissensaustausch und reihte sich dann durch die webenden Hände in die neu gestaltete Fläche des wachsenden Textils ein. Der Schwerpunkt war die Beteiligung der Menschen, die zahlreichen und diversen Gäste der documenta Kunstausstellung. Der wachsende Stoff wuchs also Meter um Meter aus dem Rahmen heraus und schmückte zunehmend die Raumdecke, wanderte bis an die andere Seite des Raumes, wodurch die Entstehungsgeschichte stets und im Wandel miterlebt werden konnte. Das LOOM-LOOP Gewebe wurde die Sichtbarmachung kollektiven Schaffens und der Zusammenhänge und Abhängigkeiten der mitwirkenden Fäden/Hände im gesamten Gewebe.

Zum Ende der documenta war klar: Es wird weiter gehen! Wir, das LOOM-LOOP Kollektiv will das Potenzial dieser interaktiven Installation weiter entwickeln und auch andere Orte und Kontexte kennenlernen und „einweben“. Dabei schneiden wir das bisherige Gewebe nicht ab, sondern weben weiter; mal sehen wie lange wir es gemeinsam schaffen! Der LOOM-LOOP als Raumkonzept kann in unterschiedlichen Umgebungen und mit verschiedensten Menschen als Erfahrungs- und Aktions-Rahmen in Einsatz kommen; der Rahmen hält die Möglichkeit bereit, sich mit diversen Themen und Materialien theoretisch und dann auch praktisch auseinander zu setzen und Selbstwirksamkeit zu erfahren. So möchten wir an einem guten Leben für alle mit künstlerischen Mitteln und politischem Anspruch arbeiten und möglichst vielen Menschen begegnen und einladen, sich einzuweben. Konkret planen wir eine LOOM-LOOP Tour zu einigen Orten im kommenden Sommer und arbeiten fortan an der Verbesserung und Weiterentwicklung des Konzepts und der Umsetzung des Projektes.

Angelika Steer
Atmosphäre
Detail Gewebe
LOOM-LOOP im Raum
Workshop mit Kindern